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Handlungsfeld 6: Entwicklungszusammenarbeit

a. Übergeordneter Rahmen

 

Nach der Definition des Bund-Länder-Ausschusses Entwicklungszusammenarbeit ist kommunale Entwicklungszusammenarbeit „die Verbesserung der Lebensbedingungen in den Partnerkommunen im Ausland durch den Austausch von Erfahrungen und Wissen auf der jeweils korrespondierenden Ebene sowie das zur Verfügung stellen von Ressourcen“. In einer Veröffentlichung von Engagement Global vom Januar 2018 heißt es auf die Frage, ob Kommunen überhaupt neben dem Bund und den Ländern Entwicklungszusammenarbeit betreiben dürfen: „Ja, entwicklungspolitisches Engagement von deutschen Städten, Gemeinden und Landkreisen ist nicht nur politisch gewollt, sondern auch rechtlich zulässig.“ (Engagement Global, Servicestelle Kommunen in der Einen Welt: Dialog Global – Rechtliche Aspekte der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit im Ausland, 2018).

In erster Linie kann die bereits bei Punkt 4 in der Einführung beschriebene Agenda 2030 den Referenzrahmen für die gesamte Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt Neumarkt i.d.OPf. bilden, aber im speziellen auch für das Handlungsfeld Entwicklungszusammenarbeit. Konkret bekräftigt die Stadt Neumarkt i.d.OPf. durch die Unterzeichnung der Resolution „2030 - Agenda für Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten“ ihr entwicklungspolitisches Engagement und stellt dadurch einen geeigneten Referenzrahmen her.

Im Handlungsfeld der Entwicklungszusammenarbeit bildet ferner die offizielle Partnerschaft zwischen dem Freistaat Bayern und der Westkap Provinz in Südafrika einen Referenzrahmen für die Klimapartnerschaft zwischen der Stadt Neumarkt i.d.OPf. und der Drakenstein Municipality. Im Aktionsplan Bayern/Westkap sind ausdrücklich kommunale Partnerschaften verankert.

 

b. Vision 2030

 

Aus dem bisherigen Prozess „Impulse für die nachhaltige Stadt“ lässt sich für das Handlungsfeld Entwicklungszusammenarbeit“ folgende Vision für das Jahr 2030 ableiten.

„Viele Neumarkterinnen und Neumarkter sehen sich als Weltbürger, die eine nachhaltige globale Entwicklung aktiv mitgestalten. Auch Neumarkter Unternehmen bringen sich aktiv in die kommunale Entwicklungszusammenarbeit ein. Junge Neumarkterinnen und Neumarkter sammeln Erfahrungen in Südländern und werden zu Botschaftern für eine global gerechte Entwicklung. Die kommunale Entwicklungszusammenarbeit ist ein etabliertes Arbeitsfeld bei der Stadt Neumarkt i.d.OPf.“

 

c. Stand der Umsetzung

Die Entwicklungszusammenarbeit wird als Handlungsfeld in Neumarkt bisher vor allem im Bereich der Zivilgesellschaft umgesetzt. Zu nennen sind hier eine Reihe von Akteuren, meist Vereine, aber auch Stiftungen, kirchliche Einrichtungen sowie Privatinitiativen, die sich mit Projekten in einem oder in mehreren Ländern des Südens engagieren. Zudem hat der Eine Welt Laden Neumarkt e.V. bereits seit mehreren Jahrzehnten durch den Fairen Handel den Bezug zu „Ländern des globalen Südens“, z.B. über Produzentenbesuche und/oder Referenten aus Süd- und Mittelamerika, Afrika oder Asien.

Die Stadt Neumarkt i.d.OPf. hatte in den letzten Jahren vorwiegend eine moderierende und vernetzende Funktion. So hat sich im Jahr 2013 das „Eine Welt Netz Neumarkt“ im Bürgerhaus gegründet. Es setzt sich zusammen aus rund 10 verschiedenen Organisationen und Initiativen, die sich für die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen in anderen Teilen dieser Welt einsetzen. Gemeinsam wurden bisher Öffentlichkeitsarbeit betrieben und eine Reihe von Aktionen auf die Beine gestellt. Die Schwierigkeit, die in einer dauerhaften Zusammenarbeit besteht, sind die sehr begrenzten Zeitressourcen aufgrund der vorwiegend ehrenamtlich getragenen Projekte sowie deren räumlich und inhaltlich unterschiedlichen Ausrichtung. Fast alle Organisationen setzen Entwicklungsprojekte vor Ort um und arbeiten vorwiegend mit Spenden- und Sponsorengeldern. Es bestehen darüber hinaus in der Regel sehr enge persönliche Kontakte in das jeweilige „Partnerland“.

Die Stadt Neumarkt i.d.OPf. selbst ist aktuell in hauptsächlich drei Bereichen in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv: Erstens ist die Stadt Neumarkt i.d.OPf. Gründungsstifter der 2009 gegründeten Bookbridge Foundation, einer internationalen Organisation mit Wurzeln bei den Neumarkter Pfadfindern. Die Bookbridge fördert die Einrichtung von Bildungszentren sowie die Entwicklung von Aus- und Weiterbildungsangeboten in der Mongolei, in Kambodscha, in Sri Lanka und in Südafrika. Im Bürgerhaus gibt es eine Kontaktmöglichkeit zur Bookbridge. Zweitens kooperiert die Stadt Neumarkt i.d.OPf. mit öffentlichen Stellen auf Bundes- und Landesebene, um regelmäßig Fachdelegationen aus aller Welt in Neumarkt zu empfangen, die sich hauptsächlich mit den Themen Energie, Klimaschutz und Nachhaltigkeit beschäftigen. Hierzu wird jeweils individuell ein Besuchsprogramm zusammengestellt, teilweise auch mit Firmen vor Ort. So konnten bisher Fachdelegationen u.a. aus Albanien, Äthiopien, Brasilien, Burkina Faso, China, Costa Rica, Ecuador, Kenia, Kolumbien, Mongolei, Myanmar, Nicaragua, Palästinensische Gebiete, Sri Lanka, Südafrika und Türkei begrüßt werden. Drittens beteiligt sich die Stadt Neumarkt i.d.OPf. seit 2014 am Projekt „Kommunale Klimapartnerschaften“ der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, gefördert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die Stadt Neumarkt ist in diesem Rahmen eine Projektpartnerschaft mit der südafrikanischen Gemeinde Drakenstein in der Westkap-Provinz eingegangen. Zwischen März 2014 und Oktober 2015 haben Neumarkt und Drakenstein ein gemeinsames Handlungsprogramm erstellt, das bisher mit einigen Projekten umgesetzt wird. Dazu gehören ein Jugendaustausch im Rahmen des Programms ASA im Jahr 2016, ein Renaturierungsprojekt am Berg River in Drakenstein im Rahmen des Förderprogramms Nakopa sowie der Verkauf von Fairtrade Produkten aus Südafrika im Eine Welt Laden Neumarkt. Das Handlungsprogramm wurde im Juli 2018 während einer Delegationsreise und mit Unterstützung von Engagement Global komplett überarbeitet und enthält jetzt insgesamt 28 verschiedene Einzelmaßnahmen und Projekte. Ergänzend ist hier noch anzufügen, dass mittlerweile mehrere junge Menschen aus Neumarkt am Sondeza Afri-Youth Seminar, einem „Jugendcamp“ in Südafrika teilgenommen haben, das im Rahmen der Partnerschaft Bayern-Westkap veranstaltet wird.

 

d. Handlungsschwerpunkte für die nachhaltige Entwicklung

 

Zur Verwirklichung der Vision 2030 werden im Handlungsfeld „Entwicklungszusammenarbeit“ vier wesentliche Handlungsschwerpunkte verfolgt:

Förderung eines Bewusstseinswandels „Wir sind Weltbürger“
Beispiel: Ausstellung und Vorträge über globale Zusammenhänge, z.B. zwischen Klimawandel und Flucht, Welthandel, Konsum und Armut usw., Gründung einer „Partnerorganisation Neumarkt - Drakenstein“

Gewinnung von Unternehmen für ein globales soziales Engagement
Beispiele: Engagement von Neumarkter Unternehmen beim Aufbau von Lernzentren im globalen Süden, Vermittlung von Praktikumstellen für junge Menschen aus Südländern bei Neumarkter Betrieben

Junge Menschen für ein Engagement in Südländern begeistern und als Botschafter gewinnen
Beispiele: Infoabend an Schulen über Möglichkeiten eines sozialen Engagements in Südländern bzw. Jugendaustausch (z.B. Programm Weltwärts) veranstalten, Vermittlung von Praktikumstellen oder eines sozialen Jahres für junge Menschen aus Neumarkt, Sondeza-Jugendliche von ihren Erfahrungen aus Südafrika berichten lassen

Kommunale Entwicklungszusammenarbeit als Arbeitsfeld bei der Stadt Neumarkt i.d.OPf. etablieren
Beispiele: Kooperationspartner bei der Ausrichtung des Jubiläums 10 Jahre Bookbridge im Herbst 2019, Weiterführung der Projektpartnerschaft mit Drakenstein im Rahmen der offiziellen Partnerschaft Bayern-Westkap

 

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