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10. Neumarkter Nachhaltigkeitskonferenz  - Von Gemeinwohl-Initiativen und positiven Zukunftsbildern

Nachlese zur Konferenz am 10. November 2023

 

Die Referenten der 10. Neumarkter Nachhaltigkeitskonferenz - Foto: Christian Wild© Stadt Neumarkt i.d. OPf. - Christian Wild

Was haben die Marktgemeinde Postbauer-Heng, die Neumarkter Lammsbräu und die Stadtwerke Neumarkt gemeinsam? Alle drei haben ihre Gemeinwohl-Aktivitäten bilanzieren und zertifizieren lassen. Sie machen dadurch deutlich, dass ihnen eine Wirtschaftsweise wichtig ist, die sich an Werten wie Menschenwürde, Solidarität, soziale oder ökologische Nachhaltigkeit orientiert. Darüber freute sich einer der beiden Hauptreferenten besonders.

Zur 10. Neumarkter Nachhaltigkeitskonferenz konnte Oberbürgermeister Thomas Thumann nämlich den Gründer der Gemeinwohl-Ökonomie Christian Felber aus Wien begrüßen. Dieser lobte zum einen Neumarkt für die von hier ausgehenden Aktivitäten zur Gemeinwohl-Ökonomie, aber auch das Engagement der Stadt Neumarkt für eine nachhaltige Entwicklung.

Thumann zeigte im Rahmen seiner Begrüßung der rund 80 Gäste einen Rückblick auf die bisherigen Konferenzen seit 2008 und die in der Folge umgesetzten Maßnahmen auf. Alle wichtigen Aspekte der Nachhaltigkeit wurden dabei betrachtet - Klimaschutz, Energieversorgung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Ernährung, Entwicklungszusammenarbeit, Mobilität, Bauen und Wohnen sowie Konsum und Lebensstil. Viele Impulse aus den Konferenzen sind laut Thumann aufgegriffen und inzwischen in Neumarkt in die Praxis umgesetzt worden.

Christian Felber machte in seiner anschließenden gut einstündigen Präsentation zunächst deutlich, dass wir uns auf der Erde mitten in einer Polykrise befinden, in der nicht nur eine, sondern mehrere planetarische Grenzen längst überschritten wurden. Hierzu gehört z.B. die Waldzerstörung, die Eintragung von naturfremden Stoffen in die Umwelt oder die Übernutzung der Wasservorräte. Neben dem Klimawandel als Bedrohung für die nächsten Jahrzehnte ist aus Sicht Felbers der Verlust der Artenvielfalt das noch viel größere Problem. Felber schlägt hier den Bogen zur Art und Weise, wie heute im globalen Maßstab gewirtschaftet wird und zeigt auf, dass Kennzahlen wie das Bruttosozialprodukt nicht als Maßstab geeignet sind, um einen werteorientierten Wohlstand zu messen. Viele Menschen seien inzwischen der Ansicht, dass die Entwicklung des Kapitalismus zwar für eine Zunahme des Wohlstands gesorgt hat, sich diese Entwicklung aber inzwischen gedreht hat und dieser heute mehr Schaden als Nutzen erzeugt. Felber geht es dabei nicht um eine Fundamentalkritik am Kapitalismus, sondern wirbt dafür, zu den Wurzeln der Ökonomie und deren Absicht das Wohle aller im Blick zu haben, zurück zu kehren. Er verweist dabei auf die Verfassungen von Ländern, in denen festgehalten ist, dass die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dem Gemeinwohl zu dienen hat. Das heutige Credo sei hingegen, dass die Demokratie dem Markt zu dienen hat. Für Felber und bei der Gemeinwohl-Ökonomie geht es aber darum, dass Ungleichheiten verringert sowie demokratische Werte und Prozesse verstärkt werden. Hier stünden wir noch ganz am Anfang, denn ihm sei kein einziges Land auf der Welt bekannt, das ein konkretes Programm zur Umsetzung zur Verringerung dieser Ungleichheiten vorweisen kann. Deshalb hat er vor über 15 Jahren das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie begründet, die inzwischen eine internationale Bewegung mit 4.500 aktiven Mitgliedern und 171 Regionalgruppen geworden ist. Inzwischen haben über 1.000 Unternehmen und 45 Kommunen eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt.

Die zweite Hauptreferentin, Frau Stella Schaller, ist systemische Transformationsbegleiterin und Vorständin bei der gemeinnützigen Organisation Reinventing Society in Schöneiche bei Berlin. Sie verfolgt mit dem Konzept „Zukunftsbilder 2045 – Eine Reise in die Welt von morgen“ einen ebenso ganzheitlichen, übergreifenden und auch sehr bildhaften Ansatz der Nachhaltigkeit. Ihr Anliegen sei es, eine Zukunftsgeschichte zu schreiben, die der negativen Selbsterzählung in unserem Land wie z.B. die Spaltung der Gesellschaft oder die Einschränkungen durch Veränderungen Alternativen entgegensetzt. Reinventing Society gehe es dabei um vernetztes Denken und um die Einbeziehung der Menschen „mit Kopf, Herz und Hand“. Die Natur ist dabei das Vorbild, wie Regenerationsprozesse vonstatten gehen können. Konzepte wie die „Schwammstadt“, in der zuviel Wasser aufgenommen und bei Trockenheit wieder abgegeben wird sowie naturbasierte Lösungen für Klimaschutz und Klimaanpassung können als „Wunderwaffe“ bezeichnet werden, weil dadurch CO2 gebunden, Arten geschützt und regenerative Prozesse gefördert werden. Wie dies alles konkret aussehen könnte, zeigte Schaller dann abschließend noch in Form von aufwendig simulierten Städtepanoramen. Was wir aufgrund der täglichen Nachrichten von Krieg bis Klimakatastrophe bräuchten, ist eine andere Sicht auf das Morgen, nämlich eine die inspiriert und Mut macht, so Schallers Botschaft.

Weitere Beiträge bei der Nachhaltigkeitskonferenz beschäftigten sich mit dem Gemeinwohl-Ansatz in der Praxis. Inhaber und Geschäftsleiter der Neumarkter Lammsbräu Johannes Ehrnsperger behandelte das Thema „Gemeinwohlorientiertes Engagement im Unternehmen aus Überzeugung“. Horst Kratzer, 1. Bürgermeister des Marktes Postbauer-Heng stellte den „Weg zur Gemeinwohl-Gemeinde“ vor und Frank Ebinger, Professor für nachhaltigkeitsorientiertes Innovations- und Transformationsmanagement erläuterte die Gemeinwohlökonomie als Teil der Nachhaltigkeitsstrategie an der TH Nürnberg.

Am Nachmittag entwickelten rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem interaktiven Workshop eine positive Zukunftsvision für Neumarkt. Diese umfasste u.a. eine gelassene und heitere Betriebsamkeit mit vielen Menschen in der Innenstadt, allerdings mit viel mehr „Grün“, fließenden Wasserelementen, wenigen leisen und langsamen Fahrzeugen, Elektrobussen, Lastenrädern, einer autonomen Straßenbahn vom Bahnhof zur Marktstraße sowie neu genutzte Bereiche und Flächen mit schattenspendenden Grünstrukturen, Spiel- und Sitzgelegenheiten aus natürlichen Materialien.

Die überwiegende Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ging motiviert und mit neuen Impulsen aus der Konferenz. Die Anregungen und auch die Ergebnisse aus dem Workshop werden durch das Amt für Nachhaltigkeit ausgewertet und für den weiteren Nachhaltigkeitsprozess der Stadt Neumarkt aufgegriffen.

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