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8. Neumarkter Nachhaltigkeitskonferenz 2018

Klimaschutz durch neue Wege bei Konsum und Lebensstil

Die Organisatoren zogen ein rundum positives Fazit zur 8. Neumarkter Nachhaltigkeitskonferenz am 15. Juni 2018. Etwa 100 Gäste folgten der Einladung der Stadt Neumarkt i.d.OPf. und beschäftigten sich mit dem Themenkreis „Klimaschutz durch neue Wege bei Konsum und Lebensstil“.

Mit atemberaubend schönen Bildern aus der Arktis begann Journalistin und Expeditionsleiterin Birgit Lutz. Der Blick in dieses empfindliche Ökosystem verdeutlichte zwei dramatische Entwicklungen. Weniger schöne Bilder zeigten zum einen den massiven Rückgang von Gletschern und zum anderen das große Ausmaß der Verschmutzung mit Plastikmüll.

Um diesem Problem zu begegnen, bedarf es größtmögliche Aufklärung bei den Verbrauchern, aber auch steuernde Maßnahmen. Mikroplastik und Plastikmüll muss schlichtweg durch gesetzliche Vorgaben drastisch reduziert oder sogar verboten werden.

Flyer mit Grußwort

Programm

 

   

 


Blick in ein empfindliches Ökosystem 

Birgit Lutz ist gebürtige Neumarkterin. Sie hat als ausgebildete Journalistin 15 Jahre lang bei der Süddeutschen Zeitung gearbeitet. In dieser Zeit spezialisierte sie sich auf den hohen Norden und ging für ihre Recherchen weiter als viele andere: Sie ist zweimal auf Skiern von der russischen Eisstation Barneo zum Nordpol marschiert und hat auf eigene Faust Grönland durchquert. Über ihre Erlebnisse im Eis hat sie mehrere Bücher veröffentlicht; ihre Reportagen wurden mehrfach ausgezeichnet.

Heute arbeitete Birgit Lutz als Guide und Expeditionsleiterin an Bord von touristischen Expeditionsschiffen, hält dort Vorträge über das empfindliche Ökosystem und ist auch an Land eine gefragte Vortragsrednerin.

Weil sie auf ihren Reisen auch noch in den entlegensten Winkeln der Eiswelt auf Plastikmüll stieß, initiierte sie 2016 am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven ein Projekt, in dem sie zusammen mit Touristen arktische Strände reinigt und den Müll analysiert. Über dessen Ergebnisse wurde 2017 ein wissenschaftlicher Aufsatz im renommierten Marine Pollution Bulletin veröffentlicht, gleichzeitig begann Birgit Lutz eine Vortragsreihe über das Ausmaß und die Auswirkungen des globalen Plastikkonsums an Schulen.

Für ihr jüngstes Buch „Heute gehen wir Wale fangen...“ über das Leben und die schwindende Kultur der Grönländer verbrachte sie insgesamt drei Monate in Ostgrönland.

Birgit Lutz hat für Ihren Vortrag "Eisbär im Fischernetz: Schmelzendes Eis und Plastik im Polarmeer - Was geht uns das an?" insbesondere folgende Quellen verwendet:

Citizen scientists reveal: Marine litter pollutes Arctic beaches and affects wild life

Marine Anthropogenic Litter

SINGLE-USE PLASTICS - A Roadmap for Sustainability

Mikroplastik in Binnengewässern Süd- und Westdeutschlands


Anders konsumieren alleine reicht nicht aus 

Ines Weller ist seit 2000 Professorin an der Universität Bremen und seit 2005 Mitglied am artec Forschungszentrum Nachhaltigkeit der Universität Bremen und zurzeit auch dessen stellvertretende Sprecherin.

Seit Anfang der 1990er Jahre forscht sie zu Fragen nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster u.a. im Bereich Bekleidung und Ernährung sowie zu Gender & Umwelt/Nachhaltigkeit. Weitere Forschungs- und Lehrschwerpunkte sind klimafreundlicher Konsum, gemeinschaftlicher Konsum und sozialwissenschaftliche Fragen von Klimaschutz und Klimaanpassung.

Ihre aktuelle Buchveröffentlichung ist: Sigrid Kannengießer & Ines Weller (2018): Konsumkritische Projekte und Praktiken. Interdisziplinäre Perspektiven auf gemeinschaftlichen Konsum (Oekom Verlag)

Prof. Dr. Ines Weller beschäftigte sich insbesondere mit der Frage der sozialen Gerechtigkeit bei Ressourcen- und Klimaschutz. Hier unterschied sie grundsätzlich zwei Wege zum nachhaltigen Konsum. Zum einen gilt es, „anders zu konsumieren“, d.h. Kaufentscheidungen für klimafreundlicher hergestellte Güter und Produkte bzw. für Güter und Produkte, die weniger Klimagase verursachen, zu treffen. Zum anderen geht es darum „weniger zu konsumieren“, d.h. um die Reduzierung von Neukäufen und des Konsumniveaus, z.B. durch Verlängerung der Nutzung oder durch gemeinschaftlichen Konsum. Gerade der Aspekt des „weniger konsumieren“ steht in der Nachhaltigkeitsdiskussion nicht im Vordergrund, da es auch unbequem ist, über Verzicht zu reden. Hierin zeigte Weller auch auf, dass es eine Schieflage in der Wahrnehmung von umweltbewusstem Verhalten gibt. Wohlhabendere Menschen aus den sogenannten „konstruktiv kritischen“ Milieus konsumieren oftmals anders und kaufen Bio-Lebensmittel sowie die neuesten energiesparenden Geräte, allerdings verbrauchen sie aufgrund des höheren Lebensstandards auch mehr Ressourcen als weniger wohlhabendere Menschen. Diese wiederum meinen zwar, sie schaden der Umwelt, allerdings fällt ihr Ressourcenverbrauch niedriger aus als bei wirtschaftlich besser gestellten Menschen. Weller plädierte dafür, Anreiz- und Infrastrukturen für „anders“ und „weniger konsumieren“ zu schaffen und auch den klimafreundlicheren Konsum auch für einkommensschwache Gruppen zu unterstützen, z.B. durch kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr, mit dem Verbrauch steigende Strompreise einzuführen oder einen reduzierten Mehrwertsteuersatz für klimafreundlichere Produkte oder/und für gemeinschaftlichen Konsum anzuwenden.

Der Vortrag von Prof. Dr. Ines Weller: Klimaschutz, Konsum und soziale Gerechtigkeit: (Un)Vereinbare Ziele?

 

Baugebiete überflüssig machen 

Daniel Fuhrhop ist freier Autor aus Oldenburg. Nach dem Studium der Architektur (Vordiplom) sowie der Betriebswirtschaftslehre (Diplom) an der TU Berlin gründete er 1998 den Stadtwandel Verlag, Berlin („Die Neuen Architekturführer“). Bis 2012 leitete er den Verlag, bis er ihn schließlich 2013 verkaufte und den Blog www.verbietet-das-bauen.de startete.

Er stellte einige beispielhafte „Raumwunder“ aus seinem neuen Buch vor und begann mit der These „Was nachhaltige Lebensmittel ausmacht, ist klar: kein Gift, mehr Natur. Nachhaltige Mobilität leuchtet genauso ein, kurz gesagt bedeutet sie kein Benzin, dafür mehr frische Luft.“ Dies übertrug er auf das Thema Wohnen: „Nachhaltiges Wohnen sieht ganz einfach aus: Keine Bauwut, stattdessen mehr Freiflächen – also schonend mit dem Boden umgehen und Platz sparen. Im Großen werden dadurch Baugebiete überflüssig, aber das beginnt im Kleinen, beim Entrümpeln der Schubladen.“

Er veröffentlichte folgende Bücher:
„Verbietet das Bauen! Eine Streitschrift“ 2015
„Willkommensstadt. Wo Flüchtlinge wohnen und Städte lebendig werden“ 2016
„Einfach anders wohnen. 66 Raumwunder für ein entspanntes Zuhause, lebendige Nachbarschaft und grüne Städte“ 2018

Der Vortrag von Daniel Fuhrhop: Von der Schublade zum Stadtviertel - einfach anders wohnen! ; Erläuterungstext

 

Billige Lebensmittel können wir uns nicht leisten

Tobias Bandel hat 2007 Soil & More mitgegründet und ist dort Managing Partner. Soil & More ist eine Beratungsfirma mit den Schwerpunkten Bodenfruchtbarkeit und Kompostierung sowie Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien in der Lebensmittel- und Agrarbranche. Seit Januar 2018 wurde Soil & More in Soil & More Impacts umfirmiert.

In seinem Vortrag warb er für eine Gesamtkostenrechnung bei Lebensmitteln, d.h. dass bei der Erzeugung die externen Kosten wie z.B. Wasserverbrauch, Umweltverschmutzung, Bodenbelastung oder niedrige soziale Standards mit einkalkuliert werden müssen. Dieses Konzept ist nicht neu. Allerdings ist neu, dass für die Finanzbranche diese Kosten real genug sind, um sie für die Risikobewertung von Wirtschaftsprüfern und Ratingagenturen zu berücksichtigen. In der Landwirtschaft und im Lebensmittelsektor können diese externen Kosten unerwünschte Risiken für Unternehmen hervorrufen – Bodenerosion, Wasserverschmutzung und unsichere Arbeitsbedingungen etwa entwickeln sich zu finanziellen Belastungen und dadurch sinkt die Profitabilität. Bandel sagte voraus, dass Lebensmittel wohl wieder einen größeren Teil unserer Ausgaben ausmachen müssen. Wenn allerdings frühzeitig nachhaltige landwirtschaftliche Anbau- und Verarbeitungsmethoden unterstützt werden, wird die Preissteigerung im Rahmen bleiben. Die momentan nur scheinbar billigen Lebensmittel können wir uns nicht leisten! 

Der Vortrag von Tobias Bandel: Billige Lebensmittel können wir uns nicht leisten

 

Ein Leben ohne eigenes Auto ist machbar 

Heiko Bruns fährt mit seiner Frau und den drei Kindern viel Fahrrad, Bus und Bahn. Nach dem Studium in Oldenburg und Greifswald arbeitete u.a. an der Deutschen Evangelischen Oberschule in Kairo und unterrichtet heute Chemie und Geschichte in Berlin. Er setzt sich seit über 25 Jahren für eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs durch Stärkung des öffentlichen Verkehrsnetzes und Förderung aktiver Mobilität wie Radfahren und Zufußgehen ein. Er ist der Sprecher der Ortsgruppe des Vereins autofrei leben! e.V.

Er hielt ein Plädoyer für autofreies Wohnen und Leben. Hierbei kann viel Geld eingespart werden und sowohl Gesundheit als auch Lebensqualität lassen sich dadurch deutlich steigern. Stadtviertel erhalten Freiflächen, Kinder Spielräume und die Bäume können Wurzeln schlagen, wenn diese nicht von Tiefgaragendecken gebremst werden. Die „umgekehrte Verkehrspyramide“ ist ein Modell, das viele unserer Umwelt- und Verkehrsprobleme lösen könnte. Laufen, Zu-Fuß-Gehen und Fahrradfahren sind am breitesten und stehen auf der umgekehrten Pyramide ganz oben, danach kommen Transporträder und öffentlicher Verkehr. Erst dann taucht das Auto auf, allerdings zunächst in Form von Taxi, Transportservice- und Car Sharing Fahrzeug. Erst ganz am Schluss stehen das Privatauto und schließlich das Fliegen auf der dünnen Spitze der umgekehrten Pyramide.

Der Vortrag von Heiko Bruns:  Besser leben ohne Auto!

 


Nachhaltigkeit konkret:
Die Ideenbörse Nachhaltigkeit

Am gleichen Tag der Nachhaltigkeitskonferenz veranstaltete die Stadt Neumarkt i.d.OPf. von 14:00 bis 18:00 Uhr am Rathausplatz die „Ideenbörse Nachhaltigkeit“. Damit wurde die Brücke von der Theorie zur Praxis geschlagen und es wurden konkrete Umsetzungsmöglichkeiten präsentiert. Insgesamt 12 Akteure zeigten Möglichkeiten auf, wie ein nachhaltiger Konsum und Lebensstil umgesetzt werden kann. Dabei ging es u.a. um Mobilität, Ernährung, Abfall, Recycling und Energiesparen. 

Folgende Akteure und Themengebiete wurden bei der Ideenbörse Nachhaltigkeit vorgestellt:
  • Die Stadtbibliothek warb in einer Leselounge für die Beschäftigung mit Nachhaltigkeitsliteratur. Darüber hinaus wurden gebrauchte Bücher angeboten.
  • Das Amt für Nachhaltigkeitsförderung - Fachstelle Nachhaltiges Bauen und Sanieren informierte über das Förderprogramm für energetisches Bauen und Sanieren „Faktor 10“ sowie über die „Grüne Hausnummer“.
  • „aktives Neumarkt“ e.V. fördert regionales Einkaufen und präsentierte das Bonussystem Regionaldo.
  • Der ADFC Neumarkt zeigte gemeinsam mit dem Verein autofrei leben e.V. Möglichkeiten der nachhaltigen Mobilität auf, u.a. wurden verschiedene Fahrräder gezeigt, die im Alltag eingesetzt werden können, u.a. das Lastenfahrrad für den Transport von Einkäufen.
  • Die CAH gab Informationen rund um das Thema „Recycling und Stromsparen“. U.a. wurden die Fahrradwerkstatt, das Recyceln von Elektroabfällen sowie der Stromsparcheck vorgeführt.
  • Die Freiwilligen Agentur Neumarkt (FAN) warb für das kürzlich neu gegründete Repair Cafe und zeigte Möglichkeiten auf, sich daran zu beteiligen.
  • Die Abfallwirtschaft des Landkreises führte die sachgemäße Verwertung von Gartenabfällen und Bioabfällen durch Kompostierung vor.
  • Die Regina GmbH präsentierte die Projekte der Ökomodellregion Neumarkt und warb für ökologische Lebensmittel.
  • Die Stadtwerke Neumarkt stellten die wertvollste Ressource „Wasser“ in den Mittelpunkt und regten zum Wassersparen an.
  • Der Eine Welt Laden Neumarkt e.V. zeigte Möglichkeiten des plastikfreien Einkaufens, verdeutlichte den Ökologischen Fußabdruck und informierte über den Fairen Handel.
  • Die Künstlerin Tina Naubert zeigte spannende Kunstwerke aus Plastikabfall.

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