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Erste Fair-Trade-Stadt Bayerns

Foto: Dr. Franz Janka

Foto: Dr. Franz Janka

Neumarkt wurde heute als erste Stadt Bayerns mit der Auszeichnung "Fair-Trade-Stadt" ausgezeichnet. Sie gehört damit zu rund 700 Fair-Trade-Städten weltweit - darunter auch große Metropolen wie London, Rom, Brüssel und San Francisco.

Überreicht wurde der Titel an Neumarkt von Katrin Bremer, der Kampagnenleiterin von "Fairtrade-Towns" in Köln. Sie schilderte die Grundlagen der Kampagne und stellte die vorbildliche Erfüllung der fünf Kriterien in Neumarkt heraus.

Oberbürgermeister Thomas Thumann nahm die Ehrung im Saal Europa des Neumarkter Rathauses in Empfang und zeigte sich erfreut. "Nachdem wir erst im Mai diesen Jahres im Stadtrat den Beschluss zur Beteiligung an dieser Kampagne gefasst haben, ist es eine bemerkenswerte Leistung, dass wir rund drei Monate später schon die Kriterien für die Auszeichnung mehr als erfüllt haben", so Oberbürgermeister Thumann stolz. "Wir sind damit die erste Fair Trade Stadt Bayerns. Dieser Titel und die Tatsache, dass wir als erste und bisher einzige Stadt Deutschlands die UNESCO-Auszeichnung als "Stadt der Weltdekade" bereits zum zweiten Mal erhalten haben, sind hervorragende Bestätigungen dafür, wie viel wir im Hinblick auf Nachhaltigkeit, Zukunftsorientierung und Umorientierung in den letzten Jahren unternommen und auch unser Handeln konsequent verändert haben." Für Bürgermeisterin Ruth Dorner, die auch Leiterin der Steuerungsgruppe und Vorsitzende des Vereins Eine-Welt-Laden ist, sei der Titel ein sichtbares Zeichen dafür, dass die vielfältige Arbeit, die in diese Richtung bereits geleistet wurde, auch Früchte trage. "In Neumarkt ist durch viel Bildungsarbeit das Bewusstsein für eine gerechtere und nachhaltigere Lebensweise seit Jahren gewachsen."

1. Die Kampagne - Grundlagen

In Deutschland wird die Kampagne Fairtrade Towns von TransFair e.V. getragen und von vielen prominenten Paten unterstützt, wie zum Beispiel Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul oder dem Vize-Präsidenten des Deutschen Städtetages Christian Ude.  Die Auszeichnung von Neumarkt i.d.OPf. fand im Rahmen der "Fairen Woche" statt, bei der es rund 3000 Veranstaltungen im ganzen Bundesgebiet.
An der weltweiten Kampagne "Fair Trade Towns" beteiligen sich bereits über 700 Städte in 18 Ländern, unter anderem in Großbritannien, Belgien, Österreich, Italien, USA und Australien. Seit Januar 2009 können sich auch deutsche Städte, Kreise und Gemeinden um den Titel bewerben. Als erste Stadt in Deutschland hat Saarbücken alle Kriterien erfüllt. In Bayern ist Neumarkt die erste Stadt, die die Auszeichnung "Fair Trade Stadt" erhält.
Ziel der Kampagne ist es, den Fairen Handel auf lokaler Ebene zu fördern und in das Bewusstsein der Menschen zu bringen. Durch ein Engagement in dem Zukunftsthema "Fairer Handel" können Bürgerinnen und Bürger einen wichtigen Beitrag zu einer gerechteren Handelsordnung leisten. Ob mit der Umsetzung eines Ratsbeschlusses für Fairtrade-Kaffee im Rathaus, beim Thema "Fairer Handel im Unterricht" oder mit der Sortiments-Erweiterung auf Fairtrade-Produkte im Supermarkt - auf dem Weg zur Fairtrade-Stadt werden alle für den Fairen Handel aktiv - und damit gegen ausbeuterische Kinderarbeit und für gerechte Preise und Löhne für Menschen in Entwicklungsländern. Träger und Koordinierung der Kampagne in Deutschland ist TransFair, Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der "Dritten Welt" e.V. Unterstützt wird die Kampagne von Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul.

2. Die fünf Kriterien zur Erlangung des Titels "Fair-Trade-Stadt" und wie Neumarkt diese erfüllt

Kriterium 1: Fair Trade Produkte im Rathaus
Es muss ein Beschluss der Kommune vorliegen, dass bei allen Sitzungen der Ausschüsse und des Rates sowie im Bürgermeisterbüro Fairtrade-Kaffee sowie ein weiteres Produkt aus Fairem Handel verwendet werden. Es wird weiterhin die Entscheidung getroffen, als Stadt/Gemeinde/Kreis den Titel "Fairtrade-Town bzw. "Fair Trade Stadt" anzustreben.

Erfüllung des Kriteriums in Neumarkt:
Der Verwaltungs- und Kultursenat der Stadt Neumarkt hat am 5. Mai 2009 einen entsprechenden Beschluss gefasst. Aber auch bereits vor diesem Beschluss ist die Stadt Neumarkt aktiv geworden. Im Rathaussaal wird zu Stadtratssitzungen sowie bei öffentlichen Anlässen bereits seit 6 Jahren ausschließlich Kaffee aus fairem Handel ausgeschenkt. Außerdem werden Geschenkkörbe, die die Stadt Neumarkt zu Jubiläen verschenkt vom Eine Welt Laden mit Produkten aus fairem Handel bestückt. Seit einigen Wochen wird nun auch im Büro des Oberbürgermeisters Fair Trade Kaffee, alternativ auch Tee aus Fairem Handel verwendet. Hierzu fand eigens ein "kleines Kaffee Seminar" statt. Weiterhin verwendet die Stadt Neumarkt neuerdings Orangensaft und Zuckersticks aus Fairem Handel.

Kriterium 2: Steuerungsgruppe
Es wird eine lokale Steuerungsgruppe gebildet, die auf dem Weg zur "Fair-Trade-Stadt" die Aktivitäten vor Ort koordiniert.

Erfüllung des Kriteriums in Neumarkt:
Die Steuerungsgruppe hat sich am 21. Juli 2009 im Bürgerhaus konstituiert. Sie setzt sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Neumarkt, der Vereine und Verbände, der Kirchen und der Geschäftswelt. Vorsitzende der Steuerungsgruppe ist Bürgermeisterin Ruth Dorner. Es sind zwei bis drei Treffen pro Jahr vorgesehen. Die erste Aufgabe der Steuerungsgruppe war es, die Erfüllung der Kriterien, die notwendig sind, den Titel "Fair-Trade-Stadt" zu erlangen, zu überprüfen. Weiterhin hat die Steuerungsgruppe das Ziel, die "Eine Welt Aktivitäten" in der Stadt Neumarkt zu bündeln und zu vernetzen, um die Bewusstseinsbildung für globale Zusammenhänge zu fördern.

Kriterium 3: Fair Trade Produkte im Einzelhandel
In den lokalen Einzelhandelsgeschäften werden gesiegelte Produkte aus Fairem Handel angeboten und in Cafés und Restaurants werden Fairtrade-Produkte ausgeschenkt. Für Neumarkt mit 40.000 Einwohnern sind mindestens 8 Geschäfte und 4 Cafés/Restaurants erforderlich.

Erfüllung des Kriteriums in Neumarkt:
In Neumarkt bieten aktuell 15 Geschäfte Fairtrade-Produkte an. 9 Cafés und Restaurants setzen Fairtrade-Produkte ein.

Kriterium 4: Fair Trade in Bildungseinrichtungen
In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen werden Fairtrade-Produkte verwendet und es werden dort Bildungsaktivitäten zum Thema "Fairer Handel" durchgeführt.

Erfüllung des Kriteriums in Neumarkt:
In Neumarkt verwenden 6 Schulen, 2 Kirchengemeinden und 2 Vereine Fair Trade Produkte und führen gleichzeitig Bildungsaktivitäten zum Thema "Fairer Handel" durch.

Kriterium 5: Öffentlichkeitsarbeit
Die örtlichen Medien berichten über alle Aktivitäten auf dem Weg zur Fairtrade-Stadt. Es erscheint mindestens ein Artikel pro Quartal in der örtlichen Presse.

Erfüllung des Kriteriums in Neumarkt:
An der Berichterstattung zum Thema "Fairer Handel" beteiligen sich alle örtlichen bzw. regionalen Medien, darunter die 2 Tageszeitungen, 3 Wochenzeitungen, ein Online-Dienst sowie das Regionalfernsehen und Radio. Im laufenden Jahr 2009 ist mindestens ein Pressebericht pro Quartal zum Thema "Fairer Handel" bzw. "Gerechte Globalisierung" erschienen.


3. Weitere beispielhafte Aktivitäten in Neumarkt

Stadt der Weltdekade
Die Stadt Neumarkt i.d.OPf. hat im November 2008 bereits zum zweiten Mal die Auszeichnung als "Stadt der Weltdekade Bildung für eine nachhaltige Entwicklung"  erhalten. Grundlage der erfolgreichen Bewerbung ist das Stadtleitbild "Zukunftsfähiges Neumarkt" aus dem Jahr 2004. Als Ergebnis dieses umsetzungsorientierten Stadtleitbildes unter Einbindung möglichst vieler Bürgerinnen und Bürger sowie von örtlichen Akteuren aus Gesellschaft, Verbänden, Vereinen und der Wirtschaft wurde in Neumarkt eine Orientierung geschaffen, um eine nachhaltige Entwicklung voran zu bringen. In Bezug auf die "Bildung für nachhaltige Entwicklung" wurden Leitsätze mit dem Titel "Neumarkt - Lernen für unsere Zukunft"  festgehalten.

Neumarkt gegen ausbeuterische Kinderarbeit
Die Stadt Neumarkt i.d.OPf. hat am 6. Februar 2007 gemeinsam mit dem Eine Welt Netzwerk Bayern die Fachveranstaltung "Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung" durchgeführt. Darauf hin hat der Stadtrat Neumarkt am 23. Juli 2007 einen Beschluss "gegen ausbeuterische Kinderarbeit" gefasst.  Folgender  Wortlaut wurde einstimmig verabschiedet:  "Die Stadt Neumarkt wird im Beschaffungswesen und bei Ausschreibungen des eigenen Geschäftsbereichs bemüht sein, künftig nur Produkte zu berücksichtigen, die ohne ausbeuterische Kinderarbeit im Sinne der ILO-Konvention 182 hergestellt wurden bzw. Produkte, deren Hersteller oder Verkäufer aktive, zielführende Maßnahmen zum Ausstieg aus der ausbeuterischen Kinderarbeit eingeleitet haben. Dies ist durch eine Zertifizierung einer unabhängigen Organisation oder eine entsprechende Selbstverpflichtungserklärung nachzuweisen. Gesellschaften mit städtischer Beteiligung werden aufgefordert, ebenso zu verfahren."

Sonstige Aktivitäten:

  • Die Stadt Neumarkt unterstützt Ausstellungen und Veranstaltungen zum Themenbereich Eine Welt/Globale Gerechtigkeit (Bsp. Ausstellung "Wir haben den Hunger satt" im Reitstadel, Vortrag zum Global Marshall Plan)
  • Unterstützung der Herausgabe des 1. Neumarkter FairFührers des Eine Welt Ladens Neumarkt mit konkreten Tipps für Verbraucherinnen und Verbraucher.
  • Im von der Stadt Neumarkt zur Verfügung gestellten "Lernraum Nachhaltigkeit" (Altes Feuerwehrhaus) wird verantwortungsbewusstes Handeln, Werteorientierung und die Frage des Lebensstils an konkreten Produkten wie Kaffee, Schokolade, Kleidung oder Fußbälle aufgezeigt.


4. Weitere Hintergrundinformationen:

Neumarkt i.d.OPf. wird die 1. Fair-Trade-Stadt in Bayern und gehört damit zu den über 700 Fairtrade Towns weltweit - darunter London, Rom, Brüssel und San Francisco. In Deutschland wird die Kampagne Fairtrade Towns von TransFair e.V. getragen und von vielen prominenten Paten unterstützt, wie zum Beispiel Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul oder dem Vize-Präsidenten des Deutschen Städtetages Christian Ude.

Die Auszeichnung von Neumarkt i.d.OPf. findet im Rahmen der "Fairen Woche" statt mit rund 3000 Veranstaltungen im ganzen Bundesgebiet.

TRANSFAIR, der Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der "Dritten Welt" e. V., handelt als unabhängige Siegelinitiative nicht selbst mit Waren, sondern vergibt sein Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte. Der Faire Handel hat das Ziel, benachteiligte Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika zu fördern. Rund 1,5 Millionen Bauern und Plantagenarbeiter in 58 Ländern profitieren bereits vom Fairen Handel.

von Ralf Mützel

Bürgerhaus Neumarkt
Amt für Nachhaltigkeitsförderung
Fischergasse 1, Rathaus IV
92318 Neumarkt i.d.OPf.

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